Die Geschichte unseres Ordens

Die wissenschaftliche Forschung der vergangenen hundert Jahre brachte bedeutende Änderungen in der Klärung der kirchlichen und weltlichen Ritterorden und in der Beurteilung der europäischen Rangordnung.

Zur Zeit der acht Kreuzzüge (1096-1291), in diesen etwa zweihundert Jahren organisierten sich fünf kirchliche Ritterorden.

Der Ritterorden zum Heiligen Johann, bekannter unter dem Namen Johanniterorden (1099) – aus diesem Orden ist der Malteser-Ritterorden hervorgegangen -,

Der Orden der Tempelritter (1119),
Der Deutsche Ritterorden (1191),
Der Militär und Spitalorden zum Heiligen Lazarus von Jerusalem,
Der Ritterorden zum Heiligen Grab.

Ausserhalb des Heiligen Landes gestalteten sich kirchliche Ritterorden in zahlreichen Ländern Europas, wie unter anderem die Ritterorden Alcantra, Santiago, Calatrava, der der Schwert Brüder und der Ritterorden zum Heiligen Jakob zu Compostella. Die Expansion der Moslems, das Ausbleiben der militärischen Erfolge und die Aufgabe des Gebietes des Heiligen Landes untergruben das Ansehen der kirchlichen Ritterorden, und nach dem achten – erfolglosen – Kreuzzug verbot der Papst die Organisierung weiterer Kreuzzüge. Von kulturhistorischem Standpunkt aus betrachtet gilt als grosses Ergebnis, dass sich die in zweihundert Jahren organisierten kirchlichen Ritterorden in zahlreichen Ländern Europas verbreiteten, dort tätig waren, wie unter anderem auch in unserer Heimat. Es kann ebenfalls festgestellt werden, dass die Kreuzzügezur Erweiterung der geographischen und ethnographischen Kenntnisse und zu Annäherung der Völker des Kontinents zueinander bedeutend beitrugen.

Das, den Kreuzzügen folgende 14. Jahrhundert brachte das Aufblühen der ritterlichen Ideale. Das hatte eine günstige Wirkung auf die Gestaltung der königlichen und fürstlichen Ritterorden. Der englische Historiker D´Arcy Jonathan Dacre Boulton deckte im zwanzigsten Jahrhundert besonders wichtige Daten über die Reihenfolge der Gründung der, in den Ländern des Kontinents organisierten königlichen Ritterorden auf (Jonathan Dacre Boulton: „The Knights of the Crown, The Monarchial Orders of Knighthood in Later Middle Ages 1325-1520", 1987). Auf Grund der Forschungen von Bouston erwähnten die neuesten, in England herausgegebenen Fachbücher den in Ungarn gegründeten RITTERORDEN ZUM HEILIGEN GEORG an erster Stelle des Stammbaumes der europäischen Orden. (Barber, Richard – Barker, Juliet: "Tornaments Chivalry and Pageants in the Middle Ages Woodbridge, 1989", 103-104 pp.) Ausser dem Grundwerk von Boulton haben die Arbeit dieser zwei englischen Forscher, sowie auch die in englischer Sprache geschriebenen Arbeiten der beiden ungarischen Historiker Ágnes Kurucz und Erik Fügedi die wissenschaftliche Untermauerung der Gründungsreihenfolge unterstützt.

Die genannten englischen Historiker wiesen darauf hin, dass in der Reihe der Ritterorden königlicher Gründung – deren Statuten erhalten geblieben sind, und aufgrund deren ihre Tätigkeit rekonstruiert werden kann – der RITTERORDEN ZUM HEILIGEN GEORG an erster Stelle steht. Durch diese Forschungen wurde unser Vorrang in Europa am Stammbaum der Ritterorden königlicher Gründung unbestritten. (Unsere Stiftungsurkunde mit dem daran hängenden Stempel befindet sich in der Verwahrung des Ungarischen Staatsarchivs unter dem Zeichen DL. 40.483)

Zeitpunkt der Stiftung des Ordens könne den Forschern zufolge bereits das Jahr 1323 sein, da die Untersuchung des Statuts durch einen Schriftexperten bewiesen hat, dass die aus 1200 lateinischen Wörtern und aus 33 Artikeln bestehende Urkunde samt Stempel bereits 1323 fertiggestellt worden war. Am 24. April 1326, am Tage des heiligen Georg, entschled sich Boleszló, Erzbischof von Esztergom in der Anwesenheit des ungarischen Episkopats und des Königs über die weitere Ergänzung des Statuts durch sechs Artikel.

Der, den Ritterorden stiftende König Karl Robert kam dem Aussterben des Arpaden-Hauses folgend 1301 auf den ungarischen Thron. Der, von ihm gestiftete Ritterorden zum Heiligen Georg bildete die Leibgarde des starken, von Attentaten bedrohten Königs. Ihr Dienst und ihre Aufgabe waren zweifach: weltlich und kirchlich. Neben dem Aufgabengebiet der Repräsentation bewachten die Ritter des Ordens die Sicherheit der Hofhaltung, sie verwahrten ab 1323 die, in die Hochburg von Visegrád gelieferte Heilige Krone, sie versahen das Geleit des Königs an den Ritterspielen und die Kontrolle der Regeln des Hofes. Aus ihrer kirchlichen Pflicht stammte die Verteidigung des christlichen Glaubens, die Sicherung des Gepränges der Festtage, die Überwachung der Einhaltung der Fasttage, des weiteren der Schutz und die Unterstützung der Schwachen, Armen und Hilfsbedürftigen.

Der Ritterorden zum Heiligen Georg wurde sowohl dem kanonischen als auch dem weltlichen Recht gemäss mangelfrei gestiftet und seine Gründung wurde nie für nichtig erklärt. Der Orden ist in das Ordensregister der geschichtlichen Ritterorden in Edinghborough eingetragen. Der Ordenskanzler hat Sitz und Stimme im Internationalen Rat der Ritterorden. Die Ordenskonstitution ist im Geiste der alten, aber den Anforderungen des 20. Jahrhunderts neugestaltet worden. Die Zeremonie des Ritterschlages erfolgt unter festlichen Äusserlichkeiten entweder in Visegrád oder Passau (am Grabe der Heiligen Gisella, Gemahlin des Staatengründers St. Stephan, König von Ungarn). Die geweihten Requisiten des Ordens (Fahne, Wappen, Ehrenschwert) werden in der Kapelle zur Heiligen Rechten des Heiligen Stephanus der budapester Basilika des Heiligen Stephanus verwahrt.

Die eingeweihten Mitglieder des Ritterordens sind in den folgenden Fachgebieten tätig:

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Pflege der Traditionen, Feier von hervorragenden historischen Jahrestagen und Ereignissen, Organisation und Veranstaltung von wissenschaftlichen Konferenzen und Tagungen
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Wahrung und Neuerweckung der Kampfweise des mittelalterlichen Rittertums
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Förderung und Publizierung der wissenschaftlichen Forschung des Mittelalters
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Unterricht, populärwissenschaftliche Aktivitäten, im Rahmen derer auch die alljährliche „mittelalterlichen Akademie" organisiert wird.
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Karitas (Versorgungsdienst), Sammlung von Hilfstransporten und Spenden für die Hilfsbedürftigen und die Armen, sowie für die ausserhalb der Grenzen des Landes lebenden Ungarn.
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Ausbau von nationalen und internationalen Beziehungen.

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